Ausgestorbene Rasse

St. John's Water Dog

Der ausgestorbene Urahn aller Retriever aus Neufundland

Steckbrief

Herkunft
Neufundland, Kanada
Größe
4558 cm
Gewicht
2035 kg
Lebenserwartung
1014 Jahre
Gruppe
Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde
Charakter
WasserbegeistertArbeitseifrigSanftmütigKooperativAusdauernd
Bewegung
Pflege
Verträglichkeit
Haaren

Charakter & Wesen

Der St. John's Water Dog ist eine ausgestorbene Hunderasse aus Neufundland in Kanada, die als Urahn aller modernen Retrieverrassen gilt und damit eine der einflussreichsten Hunderassen der Geschichte darstellt. Von diesem mittelgroßen, wasserbegeisterten Arbeitshund stammen der Labrador Retriever, der Golden Retriever, der Flat-Coated Retriever, der Chesapeake Bay Retriever und der Neufundländer ab, womit sein genetisches Erbe heute in Millionen von Hunden weltweit weiterlebt. Der St. John's Water Dog war ein mittelgroßer, kräftiger Hund mit einer geschätzten Schulterhöhe von 45 bis 58 Zentimetern und einem Gewicht von 20 bis 35 Kilogramm. Sein auffälligstes Merkmal war das kurze, dichte, wasserabweisende Fell, das überwiegend schwarz war, häufig mit weißen Abzeichen an Brust, Pfoten und Kinn, ein Muster, das als Tuxedo-Zeichnung bezeichnet wird und bis heute bei Labrador-Mischlingen gelegentlich auftritt. Seine Pfoten waren teilweise mit Schwimmhäuten versehen, die ihn zu einem herausragenden Schwimmer machten. Der Kopf war breit mit freundlichen Augen und mittelgroßen Hängeohren. Charakterlich zeichnete sich der St. John's Water Dog durch eine bemerkenswerte Kombination aus Arbeitseifer, Sanftmut und natürlicher Kooperationsbereitschaft aus, Eigenschaften, die er an seine berühmten Nachkommen weitergab. Er war ein unermüdlicher Arbeiter im eiskalten Atlantikwasser, der den neufundländischen Fischern beim Einholen der Netze half, Fische aus dem Wasser apportierte und sogar Leinen zwischen Booten transportierte. Seine Bereitschaft, eng mit dem Menschen zusammenzuarbeiten, und sein weicher Fang, mit dem er Beute unversehrt zurückbrachte, machten ihn zum idealen Prototyp eines Apportierhundes. Die Fischer Neufundlands schätzten den St. John's Water Dog als unverzichtbaren Arbeitspartner in der rauen Nordatlantik-Fischerei. Er konnte stundenlang im eiskalten Wasser arbeiten, tauchte bereitwillig unter die Oberfläche und zeigte eine nahezu unerschöpfliche Ausdauer. Seine Wasserbegeisterung war legendär und wurde von frühen Besuchern Neufundlands staunend dokumentiert. Im frühen 19. Jahrhundert gelangten St. John's Water Dogs über den transatlantischen Fischereihandel nach England, wo sie die Aufmerksamkeit von Adeligen und Jagdenthusiasten erregten. Der Earl of Malmesbury, der Duke of Buccleuch und andere Aristokraten importierten gezielt diese Hunde und begannen mit der systematischen Zucht, die schließlich zum Labrador Retriever führte. Durch Kreuzungen mit verschiedenen britischen Hunden entstanden auch die anderen Retrieverrassen. Das Aussterben des St. John's Water Dog wurde durch mehrere Faktoren verursacht: strenge kanadische Steuergesetze auf Hunde, die ab 1780 Familien auf einen einzigen Hund beschränkten, britische Quarantänegesetze, die den Import ab 1885 erschwerten, und die fortschreitende Vermischung mit anderen Rassen. Die letzten reinrassigen Exemplare wurden in den 1970er und 1980er Jahren fotografiert, bevor die Rasse endgültig verschwand.

Haltung & Pflege

Haus mit Garten empfohlen
Kinderfreundlich

Der St. John's Water Dog lebte in engster Gemeinschaft mit den Fischerfamilien Neufundlands, häufig im Haus der Familie und stets in unmittelbarer Nähe zum Wasser und zu den Fischerbooten. Er war kein Hund für eine eingesperrte Haltung, sondern brauchte den freien Zugang zum Meer und die tägliche Arbeit in der Fischerei. Ohne regelmäßige Wasserarbeit und körperliche Auslastung wäre dieser hochaktive Arbeitshund unglücklich geworden. Seine Verträglichkeit mit anderen Hunden und sein freundliches Wesen machten ihn zu einem angenehmen Gemeinschaftshund in den kleinen Fischerdörfern.

Ernährung (historisch)

Der St. John's Water Dog wurde von den neufundländischen Fischern mit dem ernährt, was die Fischerei hergab. Fisch und Fischabfälle bildeten den Hauptbestandteil seiner Nahrung, ergänzt durch Brot, Haferflocken und gelegentlich Fleischreste. Die proteinreiche Fischkost war für einen so aktiven Wasserhund ideal und lieferte zudem reichlich Omega-3-Fettsäuren, die sein wasserabweisendes Fell in gutem Zustand hielten. Während der Fischfangsaison war die Versorgung reichlich, in den Wintermonaten mussten Mensch und Hund gleichermaßen mit knapperen Rationen auskommen.

Gesundheit (historisch)

Als ausgestorbene Rasse liegen keine systematischen Gesundheitsdaten über den St. John's Water Dog vor. Historische Berichte beschreiben ihn als außerordentlich robusten und widerstandsfähigen Hund, der den extremen klimatischen Bedingungen Neufundlands mit eiskaltem Atlantikwasser und harten Wintern standhalten konnte. Sein dichtes, wasserabweisendes Fell schützte ihn vor Unterkühlung. Gelenkprobleme durch die ständige Arbeit im Wasser und auf rutschigen Bootsdecks sind wahrscheinlich, ebenso wie Ohrenentzündungen durch die häufige Wasserexposition. Die natürliche Selektion durch die harte Arbeitsumgebung dürfte schwächere Tiere frühzeitig ausgesondert und so zu einer insgesamt robusten Konstitution beigetragen haben.

Erziehung (historisch)

Der St. John's Water Dog war für seine natürliche Kooperationsbereitschaft und Lernfreude bekannt, Eigenschaften, die ihn zum idealen Arbeitshund der Fischer machten und die er an seine Retriever-Nachkommen vererbte. Die Ausbildung erfolgte praxisorientiert am Fischerboot, wo junge Hunde von erfahrenen Tieren das Apportieren von Fischen und Netzen sowie das Schwimmen in der rauen See lernten. Sein weicher Fang und seine Bereitschaft, Befehle prompt auszuführen, erforderten wenig formales Training. Die enge Bindung an seinen Besitzer und sein Wille zu gefallen machten ihn zu einem besonders leicht erziehbaren Hund.

Geschichte & Herkunft

Der St. John's Water Dog entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert auf der Insel Neufundland aus einer Mischung von Hunden, die portugiesische, baskische, englische und irische Fischer mitbrachten. In der harten Umgebung der Nordatlantik-Fischerei entstand ein spezialisierter Wasserhund, der beim Einholen der Netze half und Fische apportierte. Im frühen 19. Jahrhundert importierten britische Aristokraten diese Hunde nach England. Der Earl of Malmesbury prägte den Namen Labrador Dog für diese Hunde und begann die systematische Zucht zum Labrador Retriever. Lord Tweedmouth kreuzte einen importierten Hund mit einem Tweed Water Spaniel und schuf so die Grundlage für den Golden Retriever. Strenge Hundesteuergesetze in Neufundland und Quarantänevorschriften in Großbritannien verhinderten den Nachschub und der reine Typ starb in den 1980er Jahren aus.

Häufige Fragen zum St. John's Water Dog

Warum ist der St. John's Water Dog ausgestorben?

Der St. John's Water Dog entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert auf der Insel Neufundland aus einer Mischung von Hunden, die portugiesische, baskische, englische und irische Fischer mitbrachten. In der harten Umgebung der Nordatlantik-Fischerei entstand ein spezialisierter Wasserhund, der beim Einholen der Netze half und Fische apportierte. Im frühen 19. Jahrhundert importierten britische Aristokraten diese Hunde nach England. Der Earl of Malmesbury prägte den Namen Labrador Dog für diese Hunde und begann die systematische Zucht zum Labrador Retriever. Lord Tweedmouth kreuzte einen importierten Hund mit einem Tweed Water Spaniel und schuf so die Grundlage für den Golden Retriever. Strenge Hundesteuergesetze in Neufundland und Quarantänevorschriften in Großbritannien verhinderten den Nachschub und der reine Typ starb in den 1980er Jahren aus.

Wann ist der St. John's Water Dog ausgestorben?

Der St. John's Water Dog gehört zu den ausgestorbenen Hunderassen. Details zur genauen Zeitperiode des Verschwindens finden sich in der Geschichte dieser Rasse weiter oben auf dieser Seite.

Gibt es heute noch Nachfahren des St. John's Water Dog?

Viele moderne Hunderassen tragen Gene des St. John's Water Dog in sich. Durch gezielte Zucht und Kreuzungen haben Merkmale dieser historischen Rasse in heutigen Rassen überlebt, auch wenn der St. John's Water Dog selbst nicht mehr existiert.

Wie sah der St. John's Water Dog aus?

Der St. John's Water Dog ist eine ausgestorbene Hunderasse aus Neufundland in Kanada, die als Urahn aller modernen Retrieverrassen gilt und damit eine der einflussreichsten Hunderassen der Geschichte darstellt. Von diesem mittelgroßen, wasserbegeisterten Arbeitshund stammen der Labrador Retriever, d...

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