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Der Welpe zieht ein: Die ersten 7 Tage

Der Welpe zieht ein: Die ersten 7 Tage


Der große Tag ist da — dein Welpe zieht ein! Die ersten Tage sind entscheidend für eure gemeinsame Zukunft. Was du jetzt richtig machst, wird euer Zusammenleben für Jahre prägen. In diesem Ratgeber begleiten wir dich Tag für Tag durch die erste Woche.


Vorbereitung: Bevor der Welpe kommt


Bevor du deinen Welpen abholst, solltest du alles vorbereitet haben:


  • **Wohnung welpensicher machen:** Kabel hochlegen, giftige Pflanzen entfernen, Schuhe wegräumen, Treppen absichern.
  • **Schlafplatz einrichten:** Am besten im Schlafzimmer, damit der Welpe deine Nähe spürt. Eine Box mit weicher Decke ist ideal.
  • **Futter besorgen:** Das gleiche Futter wie beim Züchter. Eine plötzliche Umstellung verursacht Durchfall.
  • **Pipi-Pads bereitlegen:** Für die ersten Tage, besonders nachts.
  • **Urlaub nehmen:** Plane mindestens eine Woche Urlaub ein. Der Welpe sollte die erste Zeit nicht alleine sein.

  • Tag 1: Der Einzug


    Die Abholung


    Nimm ein altes Handtuch mit, das den Geruch der Mutter trägt. Lass den Welpen vor der Fahrt noch einmal Pipi machen. Fahre möglichst ruhig und direkt nach Hause.


    Die Ankunft


    Lass den Welpen in Ruhe die Wohnung erkunden. Trage ihn nicht herum, sondern lass ihn selbst laufen und schnüffeln. Zeige ihm seinen Schlafplatz, den Wassernapf und die Futterstelle.


    Wichtig: Kein Besuch am ersten Tag. Der Welpe hat genug zu verarbeiten. Reizüberflutung ist der häufigste Fehler am ersten Tag.


    Die erste Nacht


    Die erste Nacht ist für viele die größte Herausforderung. Der Welpe vermisst seine Geschwister und wird wahrscheinlich wimmern.


  • Stelle die Box oder das Körbchen neben dein Bett
  • Lege das Handtuch mit dem Geruch der Mutter hinein
  • Eine tickende Uhr oder ein warmes Kirschkernkissen simuliert die Nähe der Geschwister
  • Wenn der Welpe weint, lege kurz die Hand an die Box, ohne ihn herauszunehmen
  • Stehe nachts ein- bis zweimal auf, um ihn zum Lösen nach draußen zu bringen

  • Tag 2 – 3: Routine aufbauen


    Welpen brauchen von Anfang an einen festen Tagesablauf. Das gibt Sicherheit und erleichtert die Stubenreinheit enorm.


    Ein beispielhafter Tagesablauf


  • **7:00 Uhr:** Aufstehen, sofort nach draußen zum Lösen
  • **7:15 Uhr:** Fütterung, danach wieder nach draußen
  • **8:00 – 10:00 Uhr:** Spielen, erkunden, kurzer Spaziergang (5 Minuten pro Lebensmonat)
  • **10:00 – 12:00 Uhr:** Ruhezeit (Welpen brauchen 18–20 Stunden Schlaf!)
  • **12:00 Uhr:** Fütterung, danach nach draußen
  • **13:00 – 15:00 Uhr:** Ruhezeit
  • **15:00 Uhr:** Spielen, Training (nur 5 Minuten am Stück)
  • **17:00 Uhr:** Fütterung, danach nach draußen
  • **18:00 – 20:00 Uhr:** Familienzeit, ruhiges Kuscheln
  • **21:00 Uhr:** Letztes Mal nach draußen, dann Schlafenszeit

  • Stubenreinheit


    Der Schlüssel zur Stubenreinheit ist Konsequenz und Timing:


  • Nach jedem Schlafen sofort raus
  • Nach jedem Fressen sofort raus
  • Nach jedem Spielen sofort raus
  • Alle 1–2 Stunden raus
  • Wenn der Welpe anfängt zu schnüffeln und sich im Kreis zu drehen: sofort raus
  • Draußen überschwänglich loben, wenn er sein Geschäft erledigt
  • Drinnen: Ohne Kommentar aufwischen. Niemals schimpfen — der Welpe kann die Verbindung nicht herstellen

  • Tag 4 – 5: Erste Übungen


    Jetzt kannst du mit einfachen Übungen beginnen:


  • **Namenstraining:** Rufe den Namen und belohne mit einem Leckerli, wenn der Welpe schaut. Das ist die Basis für alles Weitere.
  • **Sitz:** Halte ein Leckerli über die Nase. Die meisten Welpen setzen sich automatisch. Sofort loben und geben.
  • **Rückruf:** Beginne in der Wohnung. Rufe den Welpen fröhlich und belohne üppig, wenn er kommt.
  • **Handling:** Gewöhne den Welpen ans Anfassen: Pfoten, Ohren, Maul, Bauch. Das erleichtert später Tierarztbesuche und Pflege.

  • Trainingseinheiten sollten maximal 5 Minuten dauern. Mehrmals täglich üben ist effektiver als einmal lang.


    Tag 6 – 7: Sozialisation starten


    Die Sozialisierungsphase (bis zur 16. Lebenswoche) ist das wichtigste Zeitfenster in der Entwicklung deines Hundes. Was er jetzt positiv kennenlernt, wird ihm sein ganzes Leben lang keine Angst machen.


    Zeige deinem Welpen behutsam:


  • Verschiedene Untergründe (Gras, Asphalt, Kies, Metall)
  • Verschiedene Geräusche (Staubsauger, Straßenverkehr, Kinder)
  • Verschiedene Menschen (mit Hut, mit Bart, Kinder, ältere Menschen)
  • Andere Hunde (nur souveräne, geimpfte Hunde)

  • Wichtig: Qualität vor Quantität. Lieber wenige positive Erfahrungen als viele überfordernde.


    Die häufigsten Fehler der ersten Woche


  • **Zu viel Besuch:** Der Welpe wird überfordert und kann sich nicht erholen
  • **Zu wenig Ruhe:** 18–20 Stunden Schlaf sind normal und nötig
  • **Zu lange Spaziergänge:** Die Faustregel ist 5 Minuten pro Lebensmonat
  • **Hund im Bett schlafen lassen:** Wenn du das nicht dauerhaft willst, beginne von Anfang an anders
  • **Inkonsequenz:** Was einmal gilt, muss immer gelten

  • Fazit


    Die ersten sieben Tage mit einem Welpen sind intensiv, aber wunderschön. Mit einem klaren Plan, viel Geduld und den richtigen Prioritäten legst du den Grundstein für ein glückliches Hundeleben. Genieße diese Zeit — sie geht schneller vorbei, als du denkst.

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