Ausgestorbene Rasse

Old English Bulldog

Die ausgestorbene athletische Ur-Bulldogge des englischen Bull-Baiting

Steckbrief

Herkunft
England
Größe
3850 cm
Gewicht
2032 kg
Lebenserwartung
1014 Jahre
Gruppe
Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde
Charakter
MutigZähEntschlossenKraftvollLoyal
Bewegung
Pflege
Verträglichkeit
Haaren

Charakter & Wesen

Der Old English Bulldog ist die ausgestorbene ursprüngliche Form der englischen Bulldogge, die vom 13. bis zum 19. Jahrhundert in England für den Bullenkampf (Bull-Baiting) und andere blutige Tierkämpfe gezüchtet wurde und sich fundamental von der heutigen, stark veränderten Englischen Bulldogge unterschied. Dieser athletische, funktionale Arbeitshund war ein furchterregender Kämpfer, dessen Körperbau vollständig auf seine grausame Aufgabe ausgerichtet war, und seine Geschichte erzählt sowohl von der dunklen Vergangenheit der Mensch-Tier-Beziehung als auch von den dramatischen Veränderungen, die eine Rasse durch Zuchtauswahl durchlaufen kann. Der Old English Bulldog war ein mittelgroßer, extrem muskulöser und athletischer Hund mit einer Schulterhöhe von 38 bis 50 Zentimetern und einem Gewicht von 20 bis 32 Kilogramm. Im Gegensatz zu seinem modernen Nachkommen, der heutigen Englischen Bulldogge, war er ein schlanker, agiler Hund mit einem proportional geformten Kopf, einer funktionalen, wenn auch kurzen Schnauze, die freies Atmen ermöglichte, und langen, kräftigen Beinen, die ihm Schnelligkeit und Wendigkeit verliehen. Sein Unterkiefer war deutlich vorgezogen (Vorbiss), was ihm einen festen Griff am Bullen ermöglichte, während die Nase nach oben gerichtet war, damit er atmen konnte, während er sich am Bullen festhielt. Das Fell war kurz und anliegend in verschiedenen Farben, das Hautgewebe war fest und nicht übermäßig faltig. Die Geschichte des Old English Bulldog ist untrennbar mit dem Bull-Baiting verbunden, einem in England vom Mittelalter bis 1835 legalen und äußerst populären Spektakel, bei dem ein oder mehrere Bulldoggen auf einen angepflockten Bullen losgelassen wurden. Die Aufgabe des Hundes bestand darin, sich in die Nase oder das Gesicht des Bullen zu verbeißen und ihn zu Boden zu zwingen, ein sogenannter Pin. Die Bulldoggen wurden auf niedrigen Schwerpunkt gezüchtet, um unter die Hörner des Bullen tauchen zu können, und auf extremen Bisskraft und Schmerzunempfindlichkeit, um trotz Tritten und Schlägen des Bullen nicht loszulassen. Der Vorbiss des Unterkiefers, der die moderne Bulldogge noch immer kennzeichnet, hatte einen funktionalen Ursprung: Er ermöglichte dem Hund, sich festzubeißen und gleichzeitig durch die nach oben gerichtete Nase zu atmen. Die lose, faltige Haut im Gesicht diente dazu, das Blut des Bullen von den Augen des Hundes abzuleiten. Jedes physische Merkmal des Old English Bulldog war ein Werkzeug für den Kampf. Der Charakter des Old English Bulldog war geprägt von einer extremen Mischung aus Mut, Entschlossenheit und Schmerztoleranz, die als Gameness bezeichnet wurde und das höchste Zuchtkriterium darstellte. Ein guter Bulldogge ließ sich weder durch Schmerz noch durch Verletzungen davon abhalten, den Bullen anzugreifen. Diese kompromisslose Tapferkeit, die in der Kampfarena lebenswichtig war, machte ihn zu einem gefürchteten Tier. Gleichzeitig war der Old English Bulldog seinen Besitzern gegenüber loyal und anhänglich, eine Eigenschaft, die auch bei seinem modernen Nachkommen erhalten geblieben ist. Das Bull-Baiting wurde 1835 durch den Cruelty to Animals Act in England verboten, und mit dem Verbot verlor der Old English Bulldog seine Daseinsberechtigung. Einige Züchter versuchten, ihn als Begleithund zu erhalten, wobei sie kleinere, ruhigere Exemplare selektierten. Andere kreuzten ihn mit Terriern und schufen die Vorfahren des Bull Terrier und des Staffordshire Bull Terrier für die nunmehr illegalen, aber weiter praktizierten Hundekämpfe. Die Begleithundzüchter selektierten über die Jahrzehnte auf immer extremere Merkmale: breiterer Kopf, kürzere Schnauze, gedrungener Körper, mehr Falten. Das Ergebnis war die heutige Englische Bulldogge, ein Hund, der äußerlich kaum noch Ähnlichkeit mit seinem athletischen Vorfahren hat und unter schweren gesundheitlichen Problemen leidet, die dem Old English Bulldog völlig unbekannt waren. Der Old English Bulldog ist somit doppelt verschwunden: physisch als Rasse und funktional als Typ. Sein Erbe lebt jedoch in der modernen Englischen Bulldogge, dem Bull Terrier, dem Staffordshire Bull Terrier, dem American Pit Bull Terrier und zahlreichen anderen Rassen weiter, die direkt oder indirekt von ihm abstammen.

Haltung & Pflege

Haus mit Garten empfohlen
Nicht ideal für Kleinkinder

Der Old English Bulldog wurde als Kampfhund in den Ställen und Höfen seiner Besitzer gehalten. Die Haltung war auf seine Funktion als Bullenkämpfer ausgerichtet und umfasste regelmäßiges Training und Konditionierung. Zwischen den Kämpfen lebten viele Bulldoggen als Hofhunde und Wächter auf den Grundstücken ihrer Besitzer. In den ärmeren Vierteln der Städte wurden sie oft unter beengten und unhygienischen Bedingungen gehalten. Eine Haltung als reiner Familienhund war nicht vorgesehen, obwohl der Bulldogge in seiner Freizeit durchaus ein umgänglicher Begleiter sein konnte.

Ernährung (historisch)

Der Old English Bulldog wurde als Arbeitshund und Kampfhund mit proteinreicher, fleischlastiger Kost ernährt, um seine Muskelmasse und Kampfkraft zu erhalten. Rohes Fleisch, Knochen, Brot und Bier waren gängige Bestandteile der Hundekost im England des 17. bis 19. Jahrhunderts. Vor den Bullenkämpfen erhielten die Hunde spezielle Diäten, die ihre Leistungsfähigkeit steigern sollten. Die Ernährung war rein zweckgebunden auf die körperliche Fitness des Kampfhundes ausgerichtet und entsprach nicht den heutigen Erkenntnissen über artgerechte Hundeernährung.

Gesundheit (historisch)

Der Old English Bulldog war im Gegensatz zu seinem modernen Nachkommen ein gesunder, athletischer Hund mit einer funktionalen Anatomie. Seine proportionale Schnauze ermöglichte freies Atmen ohne die brachyzephalen Probleme der heutigen Bulldogge. Sein kräftiger Bewegungsapparat und sein schlanker Körperbau bewahrten ihn vor den Gelenk- und Wirbelsäulenproblemen der modernen Rasse. Die natürliche Selektion auf Kampftauglichkeit erforderte einen grundsätzlich gesunden, leistungsfähigen Hund. Verletzungen aus den Bullenkämpfen waren natürlich häufig und oft tödlich. Gebrochene Kiefer, gebrochene Rippen und innere Verletzungen gehörten zum Berufsrisiko. Die gesundheitliche Robustheit des Old English Bulldog steht in scharfem Kontrast zu den schweren Erbkrankheiten seines modernen Nachfahren.

Erziehung (historisch)

Der Old English Bulldog wurde nicht im modernen Sinne erzogen, sondern auf den Bullenkampf vorbereitet. Die Konditionierung begann im Welpenalter, wenn junge Hunde an den Umgang mit Bullen gewöhnt wurden. Die zentrale Eigenschaft, die gefördert wurde, war Gameness, die kompromisslose Bereitschaft, trotz Schmerz und Verletzung anzugreifen. Diese Eigenschaft war angeboren und wurde durch Training verstärkt, konnte aber nicht künstlich erzeugt werden. Ein Bulldogge, der im Kampf zurückwich, wurde aus der Zucht ausgeschlossen. Gehorsam gegenüber dem Besitzer war dennoch wichtig, da der Hund auf Kommando angreifen und loslassen können musste.

Geschichte & Herkunft

Der Old English Bulldog entstand im mittelalterlichen England als spezialisierter Kampfhund für das Bull-Baiting, das seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert ist und zeitweise sogar gesetzlich vorgeschrieben war, da man glaubte, das Hetzen durch Hunde mache das Fleisch des Bullen zarter. Die Rasse wurde über Jahrhunderte auf Kampfeigenschaften selektiert: niedriger Schwerpunkt, starker Kiefer, Schmerztoleranz und kompromissloser Mut. Das Verbot des Bull-Baiting durch den Cruelty to Animals Act 1835 beendete die Ära des Kampfhundes. Einige Bulldoggen wurden zu Begleithunden umgezüchtet, wobei extreme Merkmale wie breiter Kopf und kurze Schnauze übertrieben wurden, was zur heutigen, gesundheitlich belasteten Englischen Bulldogge führte. Andere wurden mit Terriern gekreuzt und schufen den Bull Terrier und Staffordshire Bull Terrier. Der originale athletische Old-English-Bulldog-Typ verschwand bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig.

Häufige Fragen zum Old English Bulldog

Warum ist der Old English Bulldog ausgestorben?

Der Old English Bulldog entstand im mittelalterlichen England als spezialisierter Kampfhund für das Bull-Baiting, das seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert ist und zeitweise sogar gesetzlich vorgeschrieben war, da man glaubte, das Hetzen durch Hunde mache das Fleisch des Bullen zarter. Die Rasse wurde über Jahrhunderte auf Kampfeigenschaften selektiert: niedriger Schwerpunkt, starker Kiefer, Schmerztoleranz und kompromissloser Mut. Das Verbot des Bull-Baiting durch den Cruelty to Animals Act 1835 beendete die Ära des Kampfhundes. Einige Bulldoggen wurden zu Begleithunden umgezüchtet, wobei extreme Merkmale wie breiter Kopf und kurze Schnauze übertrieben wurden, was zur heutigen, gesundheitlich belasteten Englischen Bulldogge führte. Andere wurden mit Terriern gekreuzt und schufen den Bull Terrier und Staffordshire Bull Terrier. Der originale athletische Old-English-Bulldog-Typ verschwand bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig.

Wann ist der Old English Bulldog ausgestorben?

Der Old English Bulldog gehört zu den ausgestorbenen Hunderassen. Details zur genauen Zeitperiode des Verschwindens finden sich in der Geschichte dieser Rasse weiter oben auf dieser Seite.

Gibt es heute noch Nachfahren des Old English Bulldog?

Viele moderne Hunderassen tragen Gene des Old English Bulldog in sich. Durch gezielte Zucht und Kreuzungen haben Merkmale dieser historischen Rasse in heutigen Rassen überlebt, auch wenn der Old English Bulldog selbst nicht mehr existiert.

Wie sah der Old English Bulldog aus?

Der Old English Bulldog ist die ausgestorbene ursprüngliche Form der englischen Bulldogge, die vom 13. bis zum 19. Jahrhundert in England für den Bullenkampf (Bull-Baiting) und andere blutige Tierkämpfe gezüchtet wurde und sich fundamental von der heutigen, stark veränderten Englischen Bulldogge unt...

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