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Turnspit Dog

Der ausgestorbene Küchenhund und lebende Bratenwender Englands

Steckbrief

Herkunft
Großbritannien (ausgestorben)
Größe
2035 cm
Gewicht
714 kg
Lebenserwartung
1014 Jahre
Gruppe
Nicht FCI-anerkannt
Charakter
AusdauerndGehorsamFleißigGenügsamRobust
Bewegung
Pflege
Verträglichkeit
Haaren

Charakter & Wesen

Der Turnspit Dog, auf Deutsch „Bratenwender-Hund", ist eine der faszinierendsten und zugleich tragischsten Geschichten der Hundezucht. Diese kleine, langgestreckte Hunderasse mit den kurzen, kräftigen Beinen wurde über Jahrhunderte hinweg für einen einzigen Zweck gezüchtet: in einem hölzernen Laufrad zu laufen, das über ein System von Ketten und Zahnrädern den Bratspieß in der Küche drehte und so für gleichmäßig gebratenes Fleisch sorgte. Der Turnspit Dog war gewissermaßen der lebende Motor der britischen Küche vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Historische Beschreibungen und die wenigen erhaltenen Darstellungen zeigen den Turnspit Dog als einen kleinen bis mittelgroßen Hund mit einer Schulterhöhe von etwa 20 bis 35 Zentimetern und einem geschätzten Gewicht von 7 bis 14 Kilogramm. Sein auffälligstes Merkmal war der lange, niedrige Körperbau mit auffallend kurzen, leicht nach außen gedrehten Beinen, die an einen modernen Dackel oder Corgi erinnern. Diese Körperform war ideal für das Laufen im Rad, da die kurzen Beine einen niedrigen Schwerpunkt und eine effiziente Laufbewegung im begrenzten Raum des Rades ermöglichten. Das Fell war mittellang und rau, in verschiedenen Farben, häufig in Grau, Weiß oder Gescheckt. Das Leben eines Turnspit Dogs war hart und monoton. Die Hunde mussten stundenlang im Rad laufen, während der Braten langsam über dem offenen Feuer gar wurde. Die Hitze des Feuers, die Eintönigkeit der Arbeit und die enge des Rades machten diese Tätigkeit zu einer der unangenehmsten, die einem Hund auferlegt werden konnte. Um die Belastung zu verteilen, wurden üblicherweise zwei Turnspit Dogs abwechselnd eingesetzt, und die Hunde lernten schnell, die Tage zu erkennen, an denen sie „dran" waren. Berichten zufolge versuchten einige Hunde, sich an ihren Arbeitstagen zu verstecken. Trotz ihrer leidvollen Arbeit wurden Turnspit Dogs in der Populärkultur des 18. und 19. Jahrhunderts häufig erwähnt und illustriert. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné nannte den Hund „Canis vertigus" – den „Drehkrankheithund" – und ordnete ihn als eigene Hundegruppe ein. Der britische Naturalist Thomas Bewick lieferte 1790 eine der bekanntesten Darstellungen in seiner „General History of Quadrupeds". Der Untergang des Turnspit Dogs kam mit der Industrialisierung. Die Erfindung mechanischer Bratenwender und der Übergang zu geschlossenen Öfen und Herden im 19. Jahrhundert machten den lebenden Motor überflüssig. Ohne seine einzige wirtschaftliche Funktion fand der Turnspit Dog keine neuen Liebhaber, und die Rasse starb im Laufe des 19. Jahrhunderts vollständig aus. Die letzte bekannte Erwähnung eines lebenden Turnspit Dogs stammt aus den 1850er Jahren. Heute ist der Turnspit Dog ein faszinierendes Studienobjekt für die Geschichte der Mensch-Hund-Beziehung und ein mahnendes Beispiel dafür, wie Hunde als reine Arbeitsmaschinen genutzt und entsorgt wurden, sobald ihre Funktion von einer Maschine übernommen werden konnte.

Haltung & Pflege

Wohnungstauglich
Kinderfreundlich

Der Turnspit Dog lebte und arbeitete in der Küche, die sein gesamtes Universum darstellte. Er war ein Gebrauchshund im wahrsten Sinne des Wortes, dessen Haltungsbedingungen ausschließlich von seiner Funktion bestimmt wurden. In wohlhabenderen Haushalten wurden die Hunde oft besser behandelt und durften zwischen ihren Arbeitseinsätzen im Haus leben. In einfacheren Verhältnissen war ihr Dasein härter. Sonntags wurden die Turnspit Dogs der Überlieferung nach manchmal mit zur Kirche genommen, wo sie als Fußwärmer dienten. Eine moderne Haltung eines ähnlichen Typs wäre in einer Wohnung durchaus möglich, mit regelmäßiger Bewegung und geistiger Stimulation.

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Ernährung

Der Turnspit Dog wurde als Küchenhund mit Küchenabfällen und Resten gefüttert. Sein Zugang zu Nahrung war eng mit seiner Arbeit in der Küche verbunden. Die Ernährung war einfach und funktional: Fleischreste, Knochen, Brot und was sonst in der Küche anfiel. Trotz dieser einfachen Kost scheinen die Hunde ausreichend ernährt gewesen zu sein, da sie für ihre anstrengende Arbeit Energie benötigten. An Bratentagen dürften sie von den Fleischresten profitiert haben. Eine moderne Haltung eines ähnlichen Hundetyps würde hochwertiges, ausgewogenes Futter in angemessener Menge erfordern.

Gesundheit & Krankheiten

Als ausgestorbene Rasse liegen keine modernen Gesundheitsdaten vor. Der langgestreckte Körperbau mit kurzen Beinen deutet auf mögliche Bandscheibenprobleme hin, ähnlich wie beim modernen Dackel. Die ständige Belastung durch das Laufen im Rad in der Nähe des Feuers dürfte zu Hitzebelastung, Erschöpfung und Gelenkproblemen geführt haben. Historische Quellen berichten von einer robusten Konstitution trotz der harten Arbeitsbedingungen. Die Hunde mussten widerstandsfähig genug sein, um stundenlange monotone Arbeit in der Hitze zu überstehen. Eine kurze Lebenserwartung aufgrund der Arbeitsbedingungen ist anzunehmen.

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Erziehung

Die „Erziehung" des Turnspit Dogs beschränkte sich historisch auf die Gewöhnung an das Laufrad und den Gehorsam gegenüber dem Küchenpersonal. Die Hunde wurden von klein auf an das Rad gewöhnt und lernten, auf Kommando zu laufen und anzuhalten. Berichten zufolge weigerten sich manche Hunde, das Rad zu betreten, woraufhin Hausmittel wie glühende Kohlen im Rad eingesetzt wurden, um sie zum Laufen zu bewegen. Dieses grausame Detail zeigt die pragmatische, oft rücksichtslose Haltung der damaligen Zeit gegenüber Arbeitstieren. Moderne Erziehungsmethoden hätten auf positive Verstärkung und Gewöhnung gesetzt.

Geschichte & Herkunft

Die Geschichte des Turnspit Dogs beginnt im 16. Jahrhundert in England, als der steigende Wohlstand des Bürgertums zu einer vermehrten Nachfrage nach gebratenem Fleisch führte. Das Drehen des Bratspießes war eine langwierige, monotone und unangenehme Aufgabe, die zunächst von Küchenjungen verrichtet wurde. Die Züchtung eines spezialisierten Hundes für diese Aufgabe war eine kreative, wenn auch aus heutiger Sicht ethisch fragwürdige Lösung. John Caius, der Leibarzt von Königin Elizabeth I., erwähnte den Turnspit Dog 1576 in seiner Abhandlung „De Canibus Britannicis" und beschrieb ihn als eine eigenständige Hundeart. Im 18. Jahrhundert war der Turnspit Dog in britischen Küchen allgegenwärtig, und selbst bescheidene Gasthäuser verfügten über mindestens einen dieser Arbeitshunde. Der letzte bekannte ausgestopfte Turnspit Dog, bekannt als „Whiskey", ist heute im Abergavenny Museum in Wales ausgestellt und erinnert als stilles Zeugnis an eine vergangene Ära der Mensch-Hund-Beziehung.

Kosten im Überblick

Futter25,00 €/Monat
Versicherung20,00 €/Monat
Tierarzt (Vorsorge)20,00 €/Monat
Hundesteuer10,00 €/Monat
Sonstiges10,00 €/Monat
Gesamt85,00 €/Monat
Jährlich1.020,00 €/Jahr

* Durchschnittswerte. Tatsächliche Kosten können je nach Region, Futter und Tierarzt variieren.

Hundehaftpflicht für Turnspit Dog

Da der Turnspit Dog eine ausgestorbene Rasse ist, sind Versicherungsfragen rein hypothetisch. Für einen kleinen Hund ähnlichen Typs wäre eine Hundehaftpflichtversicherung dennoch empfehlenswert, da selbst kleine Hunde in unvorhergesehenen Situationen indirekt Schäden verursachen können. In mehreren Bundesländern ist die Hundehaftpflicht ohnehin gesetzlich vorgeschrieben.

Häufige Fragen zum Turnspit Dog

Ist ein Turnspit Dog ein guter Familienhund?

Ja, der Turnspit Dog ist ein hervorragender Familienhund. Er ist kinderfreundlich und anhänglich und fühlt sich im Familienleben wohl.

Was kostet ein Turnspit Dog im Monat?

Die monatlichen Kosten für einen Turnspit Dog betragen durchschnittlich 85,00 €. Das umfasst Futter (25,00 €), Versicherung (20,00 €), Tierarzt (20,00 €), Steuer (10,00 €) und Sonstiges (10,00 €).

Ist ein Turnspit Dog für Anfänger geeignet?

Ja, der Turnspit Dog ist gut für Anfänger geeignet. Er ist lernwillig und verzeiht auch mal Erziehungsfehler.

Wie viel Bewegung braucht ein Turnspit Dog?

Der Bewegungsbedarf liegt bei 3/5. Moderate Bewegung von 1-2 Stunden täglich ist empfehlenswert.

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