Ausgestorbene Rasse

Turnspit Dog

Der vergessene Küchenhund, der den Braten drehte

Steckbrief

Herkunft
England
Größe
2535 cm
Gewicht
714 kg
Lebenserwartung
1014 Jahre
Gruppe
Ausgestorbene Rassen
Charakter
AusdauerndGenügsamBeharrlichRobustStoisch
Bewegung
Pflege
Verträglichkeit
Haaren

Charakter & Wesen

Der Turnspit Dog, auf Deutsch auch Bratenwender-Hund oder Drehhund genannt, war eine einzigartige und heute ausgestorbene Hunderasse, die speziell für eine der ungewöhnlichsten Aufgaben in der Geschichte der Hundezucht gezüchtet wurde: das Drehen des Bratspießes in den Küchen der englischen Gasthäuser, Herrenhäuser und bürgerlichen Haushalte. Von etwa dem 16. bis zum 19. Jahrhundert war der Turnspit Dog ein unverzichtbarer Bestandteil der englischen Küchenkultur und ein lebendiges Beispiel für die Kreativität, mit der Menschen die Arbeitskraft von Hunden für ihre Zwecke nutzten. Die Funktionsweise des Turnspit-Systems war so einfach wie genial: Ein großes Holzrad wurde an der Wand der Küche befestigt, in der Regel in der Nähe des offenen Kaminfeuers. Der Turnspit Dog wurde in das Rad gesetzt und lief darin wie ein Hamster in seinem Laufrad, wobei die Drehbewegung des Rades über ein System von Ketten oder Riemen auf den Bratspieß übertragen wurde, an dem das Fleisch über dem Feuer hing. Der Hund musste stundenlang in dem Rad laufen, um das Fleisch gleichmäßig zu garen, eine monotone, erschöpfende Arbeit in der Hitze des Küchenfeuers. Die physische Erscheinung des Turnspit Dogs war durch seine Arbeit geprägt und folgte dem Prinzip der Funktionalität. Es handelte sich um einen kleinen, langgestreckten Hund mit kurzen, kräftigen Beinen, einem langen Körper und einem starken, gedrungenen Rumpf, der an einen Dackel oder eine Basset-ähnliche Rasse erinnerte. Diese Proportionen waren ideal für das Laufen im Rad, da der niedrige Schwerpunkt und die kurzen Beine eine effiziente, ausdauernde Laufbewegung ermöglichten. Das Fell war kurz bis mittellang und dicht, typischerweise in Grau, Braun oder gesprenkelten Mustern. Die Augen werden in historischen Quellen als misstrauisch und melancholisch beschrieben, was angesichts der harten Arbeitsbedingungen kaum verwundert. Die historischen Quellen über den Turnspit Dog sind erstaunlich detailliert und bieten einen faszinierenden Einblick in die Küchenkultur des vorindustriellen England. John George Wood schrieb in seinem Werk „Illustrated Natural History" von 1853, dass der Turnspit Dog in nahezu jedem Gasthaus und in den meisten größeren Privathaushalten Englands zu finden war. Die Küchen beschäftigten in der Regel zwei Hunde, die sich in Schichten abwechselten und damit das System eines Zwei-Schicht-Betriebs vorwegnahmen. Die Hunde kannten ihre Schichten genau und versteckten sich unter den Möbeln, wenn sie an der Reihe waren, was auf ihr offensichtliches Unbehagen bei der Arbeit hindeutet. Eine besonders bemerkenswerte historische Anekdote verknüpft den Turnspit Dog mit der Kirchengeschichte. In der Walisischen Stadt Bath wurden Turnspit Dogs sonntags in die Kirche mitgebracht, nicht aus Frömmigkeit, sondern als Fußwärmer für die Gemeinde auf den kalten Steinböden. Als ein Bischof von Gloucester während einer Predigt den Satz sprach „es hat der Herr Himmel und Erde erschaffen", sollen alle Turnspit Dogs gleichzeitig unter die Kirchenbänke gerannt sein, weil sie das Wort „drehen" in „earth" (Erde) verstanden hatten und ihre Arbeit am Bratspieß fürchteten. Mit der Erfindung mechanischer Bratenwender und der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert wurde der Turnspit Dog überflüssig. Die maschinellen Alternativen waren zuverlässiger, benötigten keine Fütterung und ermüdeten nicht. Der letzte dokumentierte Turnspit Dog in einem arbeitenden Küchenrad wurde in den 1850er Jahren gesehen. Die Rasse verschwand innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig, da sie ausschließlich für eine Aufgabe gezüchtet worden war, die es nicht mehr gab. Ein präpariertes Exemplar eines Turnspit Dogs ist heute im Abergavenny Museum in Wales ausgestellt und dient als stille Mahnung an eine vergangene Ära der Hundearbeit.

Haltung & Pflege

Wohnungstauglich
Nicht ideal für Kleinkinder

Der Turnspit Dog lebte ausschließlich in der Küche seines Arbeitgebers und hatte wenig Kontakt zur Außenwelt. Die Haltung war auf seine Arbeitsfunktion beschränkt und entsprach in keiner Weise modernen Vorstellungen von artgerechter Hundehaltung. Zwei Hunde teilten sich üblicherweise die Arbeit im Schichtbetrieb. In ihrer arbeitsfreien Zeit lagen die Hunde in der warmen Küche und ruhten sich von ihrer anstrengenden Tätigkeit aus. Am Sonntag, wenn nicht gekocht wurde, hatten die Hunde frei und wurden gelegentlich als Fußwärmer in die Kirche mitgenommen. Die Rasse ist ausgestorben.

Ernährung (historisch)

Der Turnspit Dog wurde mit den Resten der Küche ernährt, in der er arbeitete. Er erhielt Fleischabfälle, Knochen, Brot und Gemüsereste, die bei der Zubereitung der Mahlzeiten anfielen. Die Ernährung war dementsprechend unregelmäßig und nicht auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt. Einige Quellen berichten, dass die Hunde vor der Arbeit nur sparsam gefüttert wurden, um ihre Motivation am Rad aufrechtzuerhalten, und erst nach getaner Arbeit eine vollständige Mahlzeit erhielten. Die Rasse ist seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben.

Gesundheit (historisch)

Der Turnspit Dog litt vermutlich unter einer Reihe von Gesundheitsproblemen, die durch seine unnatürliche Arbeit und seine extremen Körperproportionen bedingt waren. Die stundenlange, monotone Arbeit im heißen Küchenrad führte zu chronischer Erschöpfung und Hitzestress. Die kurzen Beine und der lange Rücken prädisponierten für Bandscheibenvorfälle und Rückenprobleme, ähnlich wie beim modernen Dackel. Gelenkprobleme durch die einseitige Belastung waren wahrscheinlich. Die enge Haltung im Küchenbereich und die mangelnde Bewegung im Freien führten zu Vitamin-D-Mangel und Muskelschwund. Die Lebensqualität war gering.

Erziehung (historisch)

Die „Ausbildung" des Turnspit Dogs bestand hauptsächlich darin, ihn an das Laufen im Rad zu gewöhnen. Welpen wurden bereits in jungem Alter in das Rad gesetzt und durch Belohnung oder Bestrafung zum Laufen gebracht. Einige Quellen berichten von der grausamen Praxis, glühende Kohlen in das Rad zu legen, um widerspenstige Hunde zum Laufen zu zwingen. Die Hunde lernten schnell, wann ihre Schicht begann, und versuchten sich oft zu verstecken, was als Zeichen ihrer Intelligenz, aber auch ihrer Abneigung gegen die Arbeit gedeutet werden kann. Die Rasse ist ausgestorben.

Geschichte & Herkunft

Der Turnspit Dog wurde erstmals im 16. Jahrhundert in englischen Quellen erwähnt. Die erste detaillierte Beschreibung stammt von John Caius, dem Leibarzt von Königin Elizabeth I., der den Turnspit in seiner Schrift „De Canibus Britannicis" von 1570 unter dem lateinischen Namen „Canis vertigus" aufführte. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Turnspit Dog in England und Wales weit verbreitet. Linnaeus klassifizierte ihn 1756 als „Canis vertigus". Im frühen 19. Jahrhundert ersetzten mechanische Bratenwender und später Gasöfen die Hundearbeit. Charles Darwin erwähnte den Turnspit Dog als Beispiel für zweckgerichtete Zucht. Der letzte arbeitende Turnspit wurde in den 1850er Jahren dokumentiert. Ein präpariertes Exemplar ist im Abergavenny Museum in Wales zu sehen.

Häufige Fragen zum Turnspit Dog

Warum ist der Turnspit Dog ausgestorben?

Der Turnspit Dog wurde erstmals im 16. Jahrhundert in englischen Quellen erwähnt. Die erste detaillierte Beschreibung stammt von John Caius, dem Leibarzt von Königin Elizabeth I., der den Turnspit in seiner Schrift „De Canibus Britannicis" von 1570 unter dem lateinischen Namen „Canis vertigus" aufführte. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Turnspit Dog in England und Wales weit verbreitet. Linnaeus klassifizierte ihn 1756 als „Canis vertigus". Im frühen 19. Jahrhundert ersetzten mechanische Bratenwender und später Gasöfen die Hundearbeit. Charles Darwin erwähnte den Turnspit Dog als Beispiel für zweckgerichtete Zucht. Der letzte arbeitende Turnspit wurde in den 1850er Jahren dokumentiert. Ein präpariertes Exemplar ist im Abergavenny Museum in Wales zu sehen.

Wann ist der Turnspit Dog ausgestorben?

Der Turnspit Dog gehört zu den ausgestorbenen Hunderassen. Details zur genauen Zeitperiode des Verschwindens finden sich in der Geschichte dieser Rasse weiter oben auf dieser Seite.

Gibt es heute noch Nachfahren des Turnspit Dog?

Viele moderne Hunderassen tragen Gene des Turnspit Dog in sich. Durch gezielte Zucht und Kreuzungen haben Merkmale dieser historischen Rasse in heutigen Rassen überlebt, auch wenn der Turnspit Dog selbst nicht mehr existiert.

Wie sah der Turnspit Dog aus?

Der Turnspit Dog, auf Deutsch auch Bratenwender-Hund oder Drehhund genannt, war eine einzigartige und heute ausgestorbene Hunderasse, die speziell für eine der ungewöhnlichsten Aufgaben in der Geschichte der Hundezucht gezüchtet wurde: das Drehen des Bratspießes in den Küchen der englischen Gasthäus...

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